Der Traum vom Fliegen muss nicht im eigenen Hangar enden. Für Inhaber einer PPL (Private Pilot License), LAPL (Light Aircraft Pilot License) oder SPL (Sport Pilot License für Ultraleicht) ist das Chartern der flexibelste Weg in den Himmel. In diesem Guide erfährst du alles über Preise, Abrechnungsmodelle und wie du die Kosten legal mit deinen Passagieren teilst.
Voraussetzungen für den Charterbetrieb
Wer eine Chartermaschine mieten möchte, muss über die reine Lizenz hinaus einige Bedingungen erfüllen.
1. Der obligatorische Checkflug
Unabhängig von deiner Gesamterfahrung verlangen die meisten Vercharterer und Vereine eine Einweisung oder einen Checkflug mit einem Fluglehrer (FI). Hierbei geht es um:
- Vertrautheit mit der spezifischen Avionik (z.B. Garmin G1000 vs. Analog).
- Kenntnis der lokalen Platzrunden und Besonderheiten des Flugplatzes.
- Notverfahren und Performance-Daten des jeweiligen Musters.
2. Verein vs. Flugschule
Während gewerbliche Flugschulen oft eine unkomplizierte Buchung ermöglichen, setzen Vereine meist eine Mitgliedschaft voraus. Dies kann zwar Arbeitsstunden oder Aufnahmegebühren bedeuten, senkt aber oft den Stundenpreis signifikant.
Was kostet die Flugstunde? (Charterpreise 2026)
Die folgenden Preise sind Durchschnittswerte inklusive Treibstoff (Nasscharter) und beziehen sich auf die Blockzeit:
- 2-Sitzer Ultraleicht (UL): Schon ab 135 €/h (Ideal für den günstigen Flug am Feierabend).
- 2-Sitzer Echoklasse (z.B. Katana DV20): Ab 175 €/h.
- 4-Sitzer Cessna 172: Der Klassiker für Ausflüge ab 270 €/h.
- 4-Sitzer Piper PA-28: Ab 320 €/h (Je nach Motorisierung und Ausstattung).
Abrechnungsmodelle: Flugzeit vs. Blockzeit
Ein wichtiger Faktor beim Preisvergleich ist die Definition der Zeit. Hier gibt es drei gängige Methoden:
- Reine Flugzeit: Gemessen vom Abheben (Take-off) bis zum Aufsetzen (Touch-down).
- Pauschalierte Flugzeit: Die reine Flugzeit wird um einen festen Wert erhöht (z.B. Flugzeit + 10 Minuten), um das Rollen am Boden abzudecken.
- Blockzeit: Die Zeit vom ersten Bewegen aus der Parkposition bis zum Abstellen des Motors am Ziel. Hier zahlst du auch das Warten am Rollhalt voll mit.
Buchung & Flexibilität: Online vs. Telefon
Die Digitalisierung hat die Allgemeine Luftfahrt erreicht. Viele Anbieter nutzen Online-Buchungssysteme, bei denen du die Verfügbarkeit in Echtzeit prüfen und reservieren kannst. Solange der Flugplatz geöffnet hat, ist hier maximale Spontanität möglich. Kleinere Haltergemeinschaften oder traditionelle Vereine arbeiten teils noch mit telefonischer Reservierung oder physischen Kalendern – hier ist mehr Vorlauf nötig.
Kostenteilung: Fliegen zum Selbstkostenpreis
Eines der attraktivsten Features für Privatpiloten ist die Möglichkeit, Kosten mit Passagieren zu teilen. Doch Vorsicht: Wer hier Fehler macht, betreibt illegalen gewerblichen Luftverkehr.
Die Rechtslage (EASA)
Nach geltendem EU-Recht (EU-Verordnung Nr. 965/2012) ist die Kostenteilung bei Privatflügen unter folgenden Bedingungen erlaubt:
- Kein Gewinn: Der Flug darf keine Gewinnerzielungsabsicht verfolgen.
- Direkte Kosten: Nur die direkt anfallenden Kosten (Chartergebühr, Treibstoff, Landegebühren, Parkgebühren) dürfen geteilt werden.
- Anteil des Piloten: Die Kosten müssen auf alle Insassen (einschließlich des Piloten) aufgeteilt werden. Der Pilot muss also zwingend seinen eigenen Anteil bezahlen.
Best Practice: Die faire Aufteilung
Am besten rechnet man nach dem Flug die tatsächlich angefallenen Kosten zusammen:
Summe = (Charterpreis × Zeit) + Landegebühren.
Diesen Betrag teilst du durch die Anzahl der besetzten Plätze.
Beispiel: Bei einem Flug mit einer Cessna 172 (270 €/h) und einer Landegebühr von 15 € ergeben sich bei einer Stunde Flugzeit 285 €. Bei vier Personen an Bord zahlt jeder – auch der Pilot – exakt 71,25 €.
Fazit
Das Chartern bietet Piloten maximale Freiheit ohne das finanzielle Risiko eines Halters. Mit der richtigen Planung, einem aktuellen Checkflug und einer fairen Kostenteilung steht dem nächsten Cross-Country-Flug nichts im Wege.
